Dabei ging es nicht nur um die großen historischen Ereignisse, sondern vor allem darum, wie diese Zeit ganz konkret in Purkersdorf erlebt wurde.
Besonders interessant war die Zeit rund um den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938. Adolf Hitler fuhr am 14. März 1938 auf seinem Weg nach Wien auch durch Purkersdorf. Am Hauptplatz versammelten sich zahlreiche Menschen, die ihn jubelnd empfingen. Dabei erfuhren wir auch ein eher ungewöhnliches Detail: Zu dieser Zeit galt in Niederösterreich noch Linksverkehr, weshalb Hitler bei seiner Fahrt durch Purkersdorf auf der linken Straßenseite fahren musste. Der Rechtsverkehr wurde erst später eingeführt.
Ein weiterer wichtiger Punkt war die Eingemeindung Purkersdorfs in Groß-Wien. Am 15. Oktober 1938 wurde Purkersdorf als selbstständige Gemeinde aufgelöst und dem Wiener 14. Bezirk, Penzing, angeschlossen. Purkersdorf war damit bis 1954 Teil von Wien.
Sehr eindrücklich waren auch die Beispiele zur Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Purkersdorf. Schon kurz nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten wurden jüdische Geschäfte gekennzeichnet. So wurde beispielsweise die Trafik von Leopold Wollner am Hauptplatz als jüdisches Geschäft markiert. Auch die Familie Zuckerkandl wurde öffentlich gedemütigt. Später wurden jüdische Wohnungen und Geschäfte enteignet und sogenannte „arisierte“ Betriebe an andere Personen übergeben. Ab 1941 wurden jüdische Bewohner aus Purkersdorf deportiert; etwa 16 Menschen wurden aus Purkersdorf in den Osten verschleppt und ermordet.
Besonders beeindruckend fand ich die persönliche Art von Christian Matzka. Man merkt, dass ihm die Geschichte Purkersdorfs und vor allem die Erinnerung an die Opfer sehr wichtig ist. Er vermittelte uns nicht nur Jahreszahlen und Fakten, sondern zeigte uns anhand konkreter Orte, Personen und Ereignisse, was damals tatsächlich passiert ist. Gerade dadurch wurde die Geschichte für uns greifbarer.
Es ist wichtig, dass wir jetzt über diese Ereignisse Bescheid wissen und uns auch mit der Geschichte unseres eigenen Ortes auseinandersetzen konnten. Der Vortrag hat gezeigt, dass Geschichte nicht irgendwo weit weg passiert ist, sondern direkt vor unserer Haustür – und dass es unsere Verantwortung ist, diese Vergangenheit nicht zu vergessen.