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Von Tieren und Zwergen – Aktuelles aus der Drehtüre

Leopold Kiszka (3d) verfasst im Rahmen der Drehtüre Geschichten im Stil von Erwin Moser. Leopold beschreibt hier, was ihn zum Verfassen von "Herr Zwerg" inspiriert hat.

„Ich kam auf die Idee, diesen Text zu verfassen, nachdem ich in letzter Zeit in meinen alten Tagebüchern gelesen hatte. In diesen stand etwas über die alten Geschichten meines Vaters. So entschloss ich mich, auch eine zu schreiben.“ Und das kam dabei heraus:

Herr Zwerg

Es war einmal ein Zwerg, der wohnte im Wald unter einem großen Baum in einem kleinen Zwergenhaus. Doch dort wohnte er nicht allein, Frau Zwerg wohnte ebenfalls dort. Und zusammen erlebten sie immer viele Abenteuer…

Eines Tages im Spätsommer trug es sich zu, dass der Heidelbeervorrat des Zwergenpaares bedenklich knapp wurde. So beschlossen die beiden beim Frühstück, noch an diesem Tag in den Jungwald zu gehen und einen neuen anzusammeln. Sie aßen kräftig, damit sie es einige Zeit lang aushielten, schnappten sich ihre Körbe und zogen los.

Es war ein wunderschöner Morgen. Die Vögel zwitscherten und die Sonne schien an einem wolkenlosen Himmel. Es dauerte nicht lange, da trafen sie schon die ersten Tiere des Waldes. Als Erstes trafen sie den Herrn Hirsch, der sie nett fragte, wohin sie denn an einem so schönen Morgen hinwollten. Dann lief ihnen Frau Eichkatzerl über den Weg, wünschte ihnen einen guten Morgen und verschwand dann in ihrem Baumhaus. Zu guter Letzt, kurz vor dem Jungwald, begegnete ihnen noch Herr Bär. Sie blieben stehen und plauderten kurz mit ihm.

Nach etwa einer Stunde Fußmarsch hatten sie endlich die Heidelbeerfelder im Jungwald erreicht. „Endlich angekommen“, seufzte Frau Zwerg und ließ sich inmitten des Feldes nieder. Ihr Gatte nickte ihr zustimmend zu und setzte sich ebenfalls hin.

Sie hatten noch keine zehn Minuten Beeren gesammelt, da vernahmen sie plötzlich hinter sich ein lautes Knacken. Sie drehten sich um und sahen sogleich, wie Herr Dachs durch die jungen Bäume angewetzt kam. Das Paar hatte keine Zeit, auch nur eine Frage zu stellen. Da blieb der Vierbeiner schon vor ihnen stehen und begann zu reden: „Ihr müsst sofort mitkommen!“ und atmete tief ein und wieder aus. „Die Frau Schlange! Ihr Schwanz hat sich unter einem großen Felsen verfangen. Nicht weit von hier. Sie schafft es nicht mehr heraus. Ihr müsst helfen“, japste er. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, packten die zwei Zwerge ihre Beerenkannen und rannten Herrn Dachs hinterher.

Es dauerte tatsächlich nicht lange, da waren sie schon am Unfallort angekommen. Sie liefen um den monströsen Stein herum und sahen sie. „Frau Schlange!“, riefen sie.

Ihr Schwanz war unter dem Brocken eingeklemmt. Sofort versuchten die drei, den Fels wegzuwuchten, aber vergebens. „So wird das nichts“, meinte Herr Zwerg nach einiger Zeit. „Wir brauchen jemanden, der stark genug ist, diesen Felsen wegzuheben“, fügte Frau Zwerg hinzu. „Ich glaube, ich wüsste da jemanden“, zischte Frau Schlange auf einmal. „Der Herr Biber. Er ist stark und wohnt nicht weit von hier unten am Fluss.“ „Eine fabelhafte Idee, meine Liebe“, meinte Herr Zwerg. Sogleich machte sich Frau Zwerg auf den Weg, Herrn Biber zu holen. Währenddessen grub Herr Zwerg ein kleines Loch unter dem Stein, damit der dicke Ast, den Herr Dachs vorher geholt hatte, als Spreizer verwendet werden konnte. So würde Herr Biber nachher ein leichtes Spiel haben.

Nach etwa fünf Minten war auch schon wieder Frau Zwerg mit Herrn Biber im Schlepptau angekommen. Der erkannte sofort die Lage und machte sich bereit, nun den Stein mit dem Spreizer über den Schwanz von Frau Schlange zu heben. Er stellte sich neben den Stock und versprach Frau Schlange: „Gleich wird alles wieder gut sein.“ Er packte den Ast und hob ihn an. Es quietschte leise und unangenehm, aber der Ast begann sich zu bewegen und so auch der riesige Stein. Die Anstrengung stand ihm ins Gesicht geschrieben, aber im Wald nimmt man für Freunde so etwas in Kauf.

Da ertönte auf einmal ein leises „Ssssssss“ und Frau Schlange zog ihren Schwanz unter dem Felsen hervor.

„Hurra!!“, riefen alle fünf Waldbewohner gleichzeitig. „Endlich bin ich frei“, bedankte sich Frau Schlange und ließ ihren Schwanz durch die Luft sausen. „Danke, meine Freunde, dass ihr mir geholfen habt. Dafür lade ich euch einmal im Sommer zum Kirschkuchenessen bei mir ein.“

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