Während im Klassenzimmer der Unterricht weiterläuft, beginnt hinter den Türen der schuleigenen Bibliothek des BG/ BRG Purkersdorf etwas Eigenes: Zeit für Fragen, die sonst keinen Platz finden, und Raum für Gedanken, die schneller sind als der Stundenplan.
Beim Betreten des Raumes hört man zunächst - nichts. Hin und wieder energisches Klackern der Tastatur der ambitionierten SchülerInnen oder leises Flüstern der Lehrpersonen. An die Worte des dunkelgrünen Schriftzuges „Silentium“ hält sich hier jeder gerne.
Bei der Drehtüre handelt es sich um ein Begabtenförderungsprojekt, das am Gymnasium Purkersdorf von fünf ProfessorInnen wöchentlich geleitet wird. Ziel des Drehtürmodells ist es, die Begabungen und Interessen der SchülerInnen durch freies Arbeiten zu vertiefen. Die Teilnahme erfolgt durch Nominierung der jeweiligen Lehrpersonen, beinahe jedes Fach ist hier vertreten.
Lucia und Leonore, zwei der jüngsten Teilnehmerinnen der Drehtüre, erzählen mir stolz von ihrem eigenen Projekt. Die beiden Mädchen schreiben an einer Fantasy-Geschichte über eine noch nicht entdeckte Vogelart. Es handelt sich um sogenannte „Ubatas“, die, wie sie mir erzählen, sehr eitle Geschöpfe sind.
Für viele Kinder ist die Drehtüre eine Erholungsoase, weshalb einige gerne eine Stunde länger bleiben, als ihr regulärer Stundenplan es vorsieht. Das Gefühl, endlich gehört zu werden und seine Leidenschaften frei ausleben zu dürfen, machen das Projekt für seine TeilnehmerInnen unerlässlich.
Tobias aus der 4F sitzt etwas abseits, Laptop vor sich, und arbeitet an einem eigenen Spiel. Er benutzt Godot, eine Open-Source-Engine, die er sich selbst beigebracht hat. Entstanden ist bisher ein Grundgerüst: ein paar Levels, ein Charakter, der sich bewegt.
Ob das Game-Designen sein Beruf wird, weiß er noch nicht. Aber er denkt darüber nach, und die Drehtüre gibt ihm den Raum, das nicht nur zu fantasieren, sondern auszuprobieren.
Genau darin liegt die besondere Stärke des Projekts. Die Drehtüre eröffnet jungen Menschen einen Ort, an dem Neugier wichtiger ist als Notendruck und eigene Ideen Vorrang vor starren Vorgaben haben. Ob Fantasygeschichten, historische Recherchen oder selbst programmierte Computerspiele – hier wird deutlich, wie viel entstehen kann, wenn Talente nicht gebremst, sondern gefördert werden. Hinter den stillen Türen der Bibliothek wachsen so nicht nur Projekte, sondern auch Selbstvertrauen, Kreativität und vielleicht sogar die ersten Schritte in eine zukünftige Berufung.